Alleine in den Ferien

Es regnet schon den ganzen Tag. Eigentlich bin ich doch in den Süden gefahren, um den Frühling vorzuholen, doch bisher war es, zumindest was das Wetter betrifft, schon ein bisschen eine Enttäuschung. Irgendwie ist das aber Nebensache, ich schaue auf eine wunderbare Zeit zurück und habe in den nicht ganz zwei Wochen viel gelernt und tolle Erfahrungen gemacht. Wann warst du das letzte Mal alleine in den Ferien oder auf Reisen? Manche Menschen machen das öfters, ich kann nachvollziehen, weshalb.

Die Reise nach Palermo ist erst das zweite Mal, dass ich alleine in den Ferien verbringe. Letzten Spätsommer war ich alleine in Marseille, das war aber auch nicht wirklich so geplant, doch die Trennung fiel so kurz vor Abreise, dass ich dann einfach alleine gegangen bin. Das war zwar eine schwierige Zeit, doch Marseille und das Pétanque-Spielen haben mir da sehr gut getan.

Nun, die Entscheidung, alleine nach Palermo zu gehen, habe ich mit Absicht getroffen und ich bereue es überhaupt nicht. Zum einen tut einem Zeit mit sich alleine generell einfach gut, darüber habe ich auch schon einen kurzen Essay geschrieben. Alleine in einer anderen Stadt oder einem anderen Land ist dann allerdings noch mal was ganz anderes, vor allem wenn man wie ich die Sprache nicht einmal spricht.

Während meines Austauschjahres in Denver mit 16 Jahren habe ich natürlich schon einiges an Erfahrung diesbezüglich gewonnen, und ich glaube, das Jahr in Amerika hat wohl auch dazu beigetragen, dass ich einfach gerne Zeit alleine verbringe. Meine langjährige Beziehung mit Laura, die begleitet war von ihren Arbeitsaufenthalten in New York, Paris, Antwerpen, Mailand, und wir so quasi in einer Fernbeziehung lebten, hatte da sicherlich auch ihre Finger im Spiel. Kurz gesagt: Dass ich gerne Zeit alleine verbringe, scheint wohl auch mit meiner Erfahrung damit zu tun zu haben. Ist das wohl bei allen so?

Also dass jemand, der noch nie viel Zeit mit sich selbst verbracht hat, gar nicht wirklich weiss, wie toll das sein kann? Vielleicht. Irgendwie interessant, würde mich wundern, wie das bei euch anderen so ist oder wie ihr das seht.

Die Zeit in Palermo hat mir einmal mehr gezeigt, dass alleine unterwegs sein auf verschiedene Arten und Weisen sehr lehrreich und spannend sein kann. Zum einen hat man viel Zeit, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, viel nachzudenken und vielleicht auch um sich mit den “nicht so angenehmen Themen” zu beschäftigen. Man hat halt einfach viel Zeit. Zum anderen, und das ist wahrscheinlich nicht nur bei mir so, möchte man dann ja doch auch andere Menschen kennenlernen.

Wie oft lernt man einen neuen Menschen kennen, so im realen Leben einfach so privat? Irgendwie passiert das, zumindest mir, nicht allzu oft. Und dann kann ich nicht mal Italienisch… Und die Sizilianer*innen sind jetzt auch oftmals nicht wirklich die Englischprofis. Auf jeden Fall, so einen Abend alleine in einer Bar oder einem Restaurant zu verbringen und zu hoffen, dass man jemanden kennenlernt, ist ein spannendes Erlebnis. Glücklicherweise habe ich in den letzten zwei Wochen einige interessante Bekanntschaften gemacht und tatsächlich wunderbare Menschen kennengelernt. Vor allem eine Person hat wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich bin auch jetzt noch mit ihr in Kontakt und sehr dankbar, dass wir uns hier in der Ferne kennengelernt haben, durch einen riesigen Zufall. Aber dann gab’s auch einfach so kurzlebige Bekanntschaften an einem Abend in einer Bar, ohne Instagram oder Nummernaustausch, einfach einige witzige Stunden. Das ist ja auch das Schöne daran: Man schuldet niemandem etwas und kann einfach mit dem Flow gehen.

Worauf ich eigentlich hinauswollte: Das “Neue-Menschen-Kennenlernen” ist auch herausfordernd, und man muss aus der Komfortzone raus und auf Menschen zugehen und oftmals den ersten Schritt wagen. Ich kann mir vorstellen, dass viele wohl auch auf Dating-Apps zurückgreifen, wenn sie alleine auf Reisen sind, doch nimmt das dem Ganzen nicht etwas den Reiz? Ich kann mich damit nicht wirklich anfreunden.

Mal schauen, was in den kommenden 10 Tagen noch auf mich zukommt. Ferien alleine kann ich zumindest bisher sehr empfehlen, werde ich sicher wieder machen und hoffentlich noch viele tolle Menschen kennenlernen. Letztendlich sind solche Bekanntschaften dann eben doch das, was die Zeit in einem anderen Land besonders macht, und wohl das, was am meisten in Erinnerung bleibt - letztendlich?

Bei mir wird das wohl der Fall sein, zumindest bisher. Es ist schon speziell, habe mir das die letzten Tage öfters gedacht: Man lernt einen Menschen kennen, verbringt einige Tage zusammen und dann trennen sich die Wege wieder. Wie crazy ist es bitte, dass man diesen Menschen dann schon vermissen kann, obwohl man eine Woche vorher noch nicht einmal von dessen Existenz gewusst hatte? Menschen. Das macht das Leben doch lebenswert. Allora, das war’s von mir für heute.

Luca Gnos